23.09.2016

JUBILÄUM Sozialpädiatrisches Zentrum betreut seit 25 Jahren Kinder und Jugendliche

Kölner Stadt-Anzeiger – Rhein-Erft

von Ralph Jansen

Wenn Kinder oder Jugendliche Entwicklungs- oder Verhaltensstörungen haben, dann gibt es im Kreis dafür eine Anlaufstelle. Rund 2000 Kinder suchen pro Jahr in der ehemaligen Schule am Buchenweg 9 bis 11 in Kerpen-Neu-Bottenbroich Rat und Hilfe. Jetzt feiert das dort angesiedelte Sozialpädiatrische Zentrum Rhein-Erft-Kreis (SPZ) sein 25-jähriges Bestehen. Am Mittwoch, 28. September, findet zwischen 12 und 17 Uhr ein Tag der offenen Tür in dem modern gestalteten Backsteinbau statt.

Es besteht die Möglichkeit zu Rundgängen durch die hellen und kinderfreundlichen Räume des Hauses und zu Gesprächen mit den Mitarbeitern des SPZ. Außerdem sind Fachvorträge vorgesehen zur Schrei-Baby-Sprechstunde, zur Logopädischen Diagnostik sowie zu Störungen im Autismus-Spektrum.

Ein weiterer Vortrag von Dr. Harald Lüdicke, Ärztlicher Leiter und Geschäftsführer des SPZ, widmet sich der Versorgung von Flüchtlingen. Dieses Thema nehme inzwischen einen immer größeren Raum im SPZ ein, berichteten Lüdicke und seine Mitarbeiter Alexandra List und Dr. Martin Faber. Rund 30 Fälle haben sie inzwischen erstbetreut, doch der Bedarf ist weit größer, wie das Beispiel eines Jugendlichen aus Syrien deutlich macht.

Yassin A. (Name geändert) flüchtete unbegleitet nach Deutschland. Er stammt aus der syrischen Stad Homs und rannte von dort weg, nachdem sein Bruder erschossen worden war. Er schlug sich durch und schaffte bis nach Deutschland. Jetzt geht er in eine 10. Klasse im Kreis.

Der Jugendliche leidet oft unter Schmerzen im Bauch, im Kopf und in der Beckengegend. Mehrfach war er in der Notaufnahme, doch seine Leiden habe keine organischen Ursachen. Yassin kann nicht schlafen, es fällt ihm schwer zu essen. Er kann sich kaum konzentrieren, zieht sich nachmittags oft zurück. Dann, so sagt er, denke er an seine kranken Eltern und seine Freunde in Homs. Er hoffe immer, dass sie noch lebten.

Ein Kinderarzt hatte bei Yassin eine posttraumatische Belastungsstörung vermutet, eine Untersuchung im SPZ bestätigte diese. Den Dolmetscher für die Untersuchung hat das SPZ finanziert. Die Ergebnisse wurden Kinderarzt und Jugendamt mitgeteilt. Gemeinsam wurde überlegt, wie man dem Minderjährigen helfen kann. Da es schwer ist, einen Psychotherapeuten zu finden, übernimmt das SPZ Beratungsgespräche zur weiteren Stabilisierung. Dazu arbeitet es mit Netzwerkpartner wie dem Caritas-zentrum für Flüchtlinge und Folteropfer zusammen, vermittelt aber auch ganz praktische Hilfen wie die Adresse eines Sportvereins, damit der Junge Kontakt zu Gleichaltrigen bekommt.

Über solche neuen Aufgaben, aber auch über das klassische Betätigungsfeld des SPZ kann man sich beim Tag der offenen Tür näher informieren.

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