18.06.2014

"Sprache ist das Tor zur Bildung" Sozialpädiatrisches Zentrum seit zehn Jahren in Kerpen

Kölnische Rundschau – Rhein-Erft

von Gregor Ritter

Erst muss der Junge die Eisenbahnschienen verlegen, dann kann er damit spielen: die drei Fotos vom Ablauf haben die kleinen Patienten von Dr. Thorsten Herbst schnell in die richtige Reihenfolge gebracht und dies auch verbal begründet. Beide haben Migrationshintergrund und gehören zur Klientel des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ), die in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist: Kinder, die Deutsch erst als zweite Sprache lernen und dabei große Mühe haben.

Expertin dafür ist die Lehr- und Forschungslogopädin Birgit Ehl, die für ihre Studie zu „Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen bei sukzessiv mehrsprachigen Kindern“ den Preis für transkulturelle Pädiatrie einer deutschen und einer österreichischen Fachgesellschaft erhielt. „Sprache ist das Eingangstor für Bildung“, sagt Dr. Harald Lüdicke, Ärztlicher Leiter und Geschäftsführer der gemeinnützigen Heinrich-Meng-Institut GmbH, einer 100-prozentigen Tochter des Rhein-Erft-Kreises. Um dieses Tor weiter zu öffnen, wird laut Ehl zunächst festgestellt, ob die Kinder auch Schwierigkeiten mit ihrer Muttersprache haben.

Dazu wirkt eine muttersprachliche Logopädin im SPZ. Ferner stehe ein Dolmetscherpool zur Verfügung, sagt Lüdicke. Im Vergleich mit der normierten Untersuchung der Kenntnisse der Zweitsprache könne dann darauf geschlossen werden, ob es sich um ein generelles Problem in Sachen Sprachkompetenz handele, erklärt Birgit Ehl.

Neben diesem wachsenden Segment ist das SPZ, das vor 23 Jahren aus der Taufe gehoben wurde und seit 10 Jahren in Neu-Bottenbroich ansässig ist, auf viele andere Hilfestellungen spezialisiert und zählt jährlich laut Lüdicke bis 2100 Patienten – in den Anfangsjahren seien es weniger als die Hälfte gewesen. Störungen in Verhalten und Entwicklung, die Aufmerksamkeitsstörung ADHS, Epilepsie, Schreibabys und neurologische Fragestellungen werden nach einer Überweisung durch den Kinderarzt dort möglichst kuriert. Dies geschehe alles in einem „multiprofessionellen Ansatz“ mit Ärzten, Psychologen und Therapeuten.

„Früher haben wir hochdefizitär gearbeitet“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Ralph Bombis. Über die Jahre dann hätten die Abläufe effizienter und damit kostengünstiger gestaltet werden können. 34 Mitarbeiter habe das SPZ zurzeit, das nach dem Umzug von Brühl nach Neu-Bottenbroich von der Nachbarschaft gut aufgenommen worden sei. Es gebe noch Potenziale für eine Erweiterung des Gebäudes, sagt Bombis.

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