Mittwoch, 10. Oktober 2007
Symposion am 17.11.2007 in Kerpen-Horrem “Kindheit und Migration”
Das Symposion am 17.11.2007 im Soziokulturellen Zentrum Kerpen-Horrem hat sich an ein breites Fachpublikum gewendet. Angesprochen wurden insbesondere Ärzte/Innen, Erzieher/Innen, Lehrer/Innen, Pädagogen/Innen, Psychologen/Innen und Therapeuten/Innen.
Programm des Symposions:
Pressebericht Kölner Stadtanzeiger 21.11.2007
Therapie muss auch den bösen Blick berücksichtigen
Wie die Kommunikation mit Betroffenen aus anderen Kulturkreisen verbessert werden kann, stand im Mittelpunkt eines Symposiums.
Wenn ausländische Eltern mit ihrem kranken Kind ins Sozialpädiatrische Zentrum des Rhein-Erft-Kreises, “Heinrich-Meng-Institut”, kommen, funktioniert die Kommunikation nicht immer gut. “Das liegt nicht nur an den sprachlichen Defiziten”, erklärte Dr. Harald Lüdicke, ärztlicher Leiter und Geschäftsführers des Instituts. Manchmal sei es für das deutsche Fachpersonal schwer nachvollziehbar, warum die Erkrankung des Kindes von den Eltern anders interpretiert werde. “Das liegt eben auch an dem anderen kulturellen Hintergrund.”
Missverständnisse
Die Krankheit als Folge eines “bösen Blicks”, oder als Folge eines sündhaften Verhaltens in einem früheren Leben ““ solche Interpretationsansätze müssten bei der Verständigung mit Menschen aus anderen Kulturkreisen berücksichtigt werden. Sonst komme es zu Missverständnissen. “Die ausländischen Betroffenen verstehen nicht, warum die Mediziner über ihre Bedenken hinweggehen, die Mediziner begreifen wiederum nicht, warum die Eltern scheinbar nicht kooperieren.” Es müsse also nicht nur die Sprache übersetzt werden, sondern auch Verhaltensweisen, historische und soziologische Hintergründe.
Weil mittlerweile jedes dritte Kind im Rhein-Erft-Kreis, das bei den Untersuchungen zur Einschulung vorgestellt werde, einen so genannten Migrationshintergrund habe, müsse gehandelt werden. Das Symposium “Kindheit und Migration ““ interkulturelle Kompetenz in Beratung und Therapie” war ein erster Schritt.
In mehreren Sprachen
Rund 70 Interessierte nahmen an der Fachtagung im Soziokulturellen Zentrum teil. Themen wie “Leidens- und Krankheitsverhalten im Spannungsfeld zwischen Religion und Ethik”, “Migration und Behinderung” und “Ansätze der interkulturellen Öffnung im Sozialpädiatrischen Zentrum” standen im Mittelpunkt.
Im Sozialpädiatrischen Zentrum, in das etwa Kinderärzte Kinder mit auffälligem Verhalten zur weiteren Diagnose und Behandlung schicken, werde nun beispielsweise Informationsmaterial in mehreren Sprachen angeboten, erklärte Lüdicke. Im Rahmen des Symposiums wurde auch ein neues Berufsbild vorgestellt: Der Sprach- und Kulturmittler. Das sei ein Dolmetscher, der nicht nur übersetze, sondern auch zwischen den Kulturen vermittle und sich im Gesundheitssystem so gut auskenne, dass er Details erläutern und erklären könne. Derzeit werde das neue Berufsbild noch in der Bundeskonferenz verhandelt. Doch schon bald können Sprach- und Kulturmittler aktiv helfen, die Kommunikation zu verbessern.
von Anja Musick
Abstracts
Prof. Dr. Fuat Aksu, Chefarzt des Zentrums für Neuropädiatrie, Entwicklungsneurologie und Sozialpädiatrie, Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln
Download Aksu (PDF)
Dr. Karin Moos, Ärztin des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes Rhein-Erft-Kreis: Ausgewählte Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung 2006/2007
Download Moos (PDF)
Timur Bozkir, Diplom Betriebswirt: Rucksack – Ein Konzept zur Sprachförderung und Elternbildung
Download Bozkir (PDF)
Monika Werner, Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin; MPH:
Interkulturelle Öffnung sozialpädiatrischer Angebote am Beispiel der Stadt Stuttgart
Download Werner (PDF)
Ulrike Beckers, Ergotherapeutin, Sozialpädiatrisches Zentrum Rhein-Erft-Kreis
Dwnload Beckers (PDF)




